Köln: 11.–14.05.2027 #interzum

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Impulse für die Kreislaufwirtschaft

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Mit ihrem Leitthema „Rethinking Resources“ lieferte die interzum 2025 maßgebliche Impulse für eine nachhaltige Zukunft der Zulieferindustrie. Doch was hat sich seither in der Branche getan? Wir werfen einen Blick auf aktuelle Innovationen und Themen auf dem Weg in die Kreislaufwirtschaft.

Minimalistisches Interior mit Sideboard, Vase und Holzstuhl vor strukturierter Wand.

Dekorpapier aus Silphie-Fasern für natürlich strukturierte Oberflächen. © Felix Schoeller GmbH & Co. KG

Fokus auf Lieferketten

Um den globalen wirtschaftlichen Verwerfungen zu begegnen, konzentrieren sich viele Zulieferer auf den Aufbau zuverlässiger Lieferketten. Die Lage auf dem Weltmarkt, aber auch neue Regularien im Bereich der Materialherkunft rücken die Beschaffung in den Fokus. Für einen nachhaltigen Ausbau der Lieferkette setzen Aussteller der interzum daher zunehmend auf Materialkreisläufe und möglichst kurze Transportwege. So baut der weltweit tätige Hersteller von MDF- und Spanplatten Fantoni gerade seine Sammel- und Sortierplattformen in Italien aus. An diesen wird Altholz aus der Industrie sortiert und für das Recycling vorbereitet. Die Plattformen liegen so, dass kurze Lieferwege möglich sind.

Kleider und Accessoires auf einem Regal in einem minimalistischen Interior.

Mit „EasySpin“ von Hettich lassen sich Möbelelemente um 180 Grad drehen. © Hettich GmbH & Co. KG

Weniger Volumen, mehr Optionen

Für kürzere Lieferzeiten sorgt der Spezialist für Beschlagtechnik Häfele mit einem neu eröffneten Dynamikzentrum. Der Neubau für Logistik und Innovation ist von Grund auf nachhaltig konzipiert und ermöglicht es, die Menge von Füllmaterial deutlich zu senken, die Höhe der Pakete zu reduzieren und damit das Transportvolumen insgesamt zu verringern. Neue Möglichkeiten zum Selberbauen von Möbeln eröffnet die DIY-Sparte des Beschlagspezialisten Hettich mit „EasySpin“ – ein auf Rollen gelagerter, quadratischer Objektträger, auf dem das jeweilige Möbel befestigt wird. Das Möbelstück lässt sich damit drehen und bietet zwei unabhängig gestaltbare Seiten in einem einzigen Produkt. Die innovative Mechanik nutzt Raum optimal, spart damit Platz und macht selbst kleine Grundrisse groß.

Luftaufnahme eines großen Industrie- und Produktionskomplexes mit markantem Turmgebäude.

Neubau der Logistik von Häfele für kürzere Lieferzeiten. © Häfele

Abfall als Ressource

Viele Aussteller der interzum nutzen heute Abfall als Ressource. Ein Beispiel ist die Dekordruckerei Interprint, die zunehmend auf Recyclingpapiere und kreislauffähige Materialien setzt. Jüngste Innovationen des Unternehmens sind das „2nd Harvest Paper“ aus Ernteabfällen sowie Akustikpaneele und Trägerplatten, die aus dem eigenen Papierabfall hergestellt werden. Wie nachhaltige Papierlösungen den Einsatz von Kunststoff ersetzen, zeigt der spanische Folienhersteller Ebeam Foils: Seine „Paper Foil“ überträgt die Vorteile der Transferfolie in ein papierbasiertes Format. Vielversprechende Optionen bieten auch die Dekorpapiere aus natürlichen Silphie-Fasern des deutschen Herstellers Felix Schoeller. Die Neuheit „Technocell® Sylphia“ eignet sich für natürlich strukturierte Oberflächen mit einer ganz neuen Haptik.

Modernes Gebäude mit Holzfassade und großen Glasflächen.

Büroneubau von Fritz Kohl in Holzbauweise nach KfW-Standard 40. © Fritz Kohl

Trend zur Holzbauweise

Im ökologischen Sinne nachhaltig sind auch Holz und Holzwerkstoffe. Als nachwachsender Rohstoff liegt das natürliche Material in der Architektur und beim Innenausbau im Trend. Die Vorteile der Holzbauweise demonstriert der Furnierhersteller Fritz Kohl mit seinem neuen Bürogebäude. Der Neubau wurde vollständig aus heimischen Hölzern nach KfW-Standard 40 errichtet und bietet so einen aktiven und dauerhaften CO₂-Speicher. Speziell für den Innenausbau solcher Bürogebäude hat der Holzspezialist EGGER die neue Platte „OSB Flammex“ aus Weichholz entwickelt. Sie entspricht den gestiegenen Anforderungen des Brandschutzes und überzeugt gleichzeitig durch ihren effizienten Ressourceneinsatz.

Zwei beschichtete Holzwerkstoffplatten mit sichtbarer Spanstruktur im Querschnitt.

„OSB Flammex“: Weichholzplatte für strenge Brandschutzvorgaben. © EGGER Holzwerkstoffe

Biobasierte Komponenten

Wie sich Holz verhält, wenn es zu funktionalen Komponenten geformt wird, hat der dänische Zulieferer Furnipart für eine aktuelle Kollektion von Möbelgriffen untersucht. Die Griffe mit der neuen „Nordic Oak“-Oberfläche werden aus FSC-zertifizierter Eiche hergestellt und verbinden nordischen Minimalismus mit Handwerk. Um einer echten Kreislaufwirtschaft näher zu kommen, suchen auch Holzwerkstoffhersteller nach neuen Lösungen.

Zwei minimalistische Möbelgriffe aus hellem Holz auf grünem Hintergrund.

Griffe mit „Nordic Oak“-Oberfläche aus FSC®-zertifizierter Eiche. © furnipart

Weiterentwicklung der Produktion

Um eine umweltfreundlichere Produktion zu ermöglichen, entwickeln viele Zulieferer ihre Prozesse weiter. Ein aktuelles Beispiel ist der Spezialpapierhersteller Felix Schoeller. Mittels eines mehrlagigen Dispersions-Curtain-Coating-Verfahrens produziert er eine Verpackung mit wasserbasierten Barriereschichten – flexibel, recyclingfreundlich und ressourceneffizient. Eine Weiterentwicklung der Umspritztechnologie vermeldet die Hennecke Group, die sich auf die Verarbeitung von Polyurethan spezialisiert hat. Ziel ist es, die Technologie breit zugänglich und nahtlos in verschiedene Maschinenplattformen integrierbar zu machen. Gegenüber herkömmlichen Beschichtungsverfahren macht die Umspritztechnologie lösungsmittelbasierte Arbeitsabläufe überflüssig und ist vollständig VOC-frei.

Detailaufnahme einer Matratze mit strukturierter Oberfläche und umlaufender Ziernaht.

Die Matratzenhülle „Infinity Cover“ basiert auf einem zirkulären Ansatz. © BekaertDeslee

Neues Leben für Matratzen

Recycelbar sind auch die meisten Materialien in der Matratzenproduktion. Dennoch werden in Europa jedes Jahr bis zu 30 Millionen Matratzen auf der Deponie entsorgt oder verbrannt. Der belgische Matratzenhersteller BekaertDeslee geht diese Herausforderung direkt an und bietet eine vollständig recycelbare Lösung. Die Matratzenhülle „Infinity Cover“ besteht aus Polyester, das sich zu 91 Prozent aus recycelten Inhaltsstoffen von PET-Flaschen oder Textilabfällen zusammensetzt – darunter 30 Prozent eigene Produktionsabfälle. Ein digitaler Produktpass (DPP) und ein RFID-Tag ermöglichen eine einfache Identifizierung der Materialien für das Sortieren und Recycling.

Publikum verfolgt einen Vortrag auf der interzum Trend Stage in einer Messehalle.

Vom 11. bis zum 14. Mai 2027 bietet die interzum wieder ein Schaufenster für Zukunftstrends. © Koelnmesse

Schaufenster für Zukunftstrends

Mit ihren Innovationen liefert die Zulieferbranche wichtige Impulse für die nachhaltige Weiterentwicklung in der Möbelindustrie. Das bislang Erreichte ist für die Branche ein Ansporn, weitere Schritte auf dem Weg in eine zirkuläre Produktwelt zu gehen. Welche spannenden und wegweisenden Lösungen dafür entwickelt werden, zeigt die kommende interzum. Das weltweit wichtigste Branchenevent präsentiert vom 11. bis zum 14. Mai 2027 wieder innovative Materialien, intelligente Komponenten und smarte Technologien. Die Messe wird damit wieder zu einem Schaufenster für Zukunftstrends und zu einem Treffpunkt für Austausch und Aufbruchstimmung.